Filomaniac

Das deutsche Blog für alle Filofax-Fans. - The German blog for all Filofax fans.

Please feel free to comment in English as well!

30. Juli 2012

Journalling School (1)

Wie ich gestern ausgeführt habe, arbeite ich mit Ray Blake zusammen am Projekt Journalling School, der Schule des Tagebuchschreibens: Die (englischen) Originalartikel findet Ihr auf Rays Blog, von mir bekommt Ihr jeweils die deutsche Übersetzung, mit ein paar Anmerkungen oder Gedanken.

Da ich letzte Woche verreist war, hinke ich momentan ein bisschen hinterher. Heute gibt's die erste Lektion (vom 23. Juli 2012), die zweite Lektion folgt am Donnerstag - das Original könnt Ihr heute schon bei Ray lesen. Beginnend mit Lektion 3 (6. August 2012) werden die Artikel dann jeweils auf beiden Blogs zeitgleich erscheinen, so ist jedenfalls der Plan.

Doch nun genug der Vorrede, lasst uns anfangen!


Journalling School, Lektion 1: Das Leben aufzeichnen

Willkommen zur ersten Lektion der Journalling School. Heute geht es um die Gründe, die dafür sprechen, überhaupt ein Tagebuch zu führen, und darum, wie man am besten damit anfängt.

Für die meisten von uns "passiert" das Leben sehr schnell. Oft finden wir nicht die Zeit, Erlebnisse und Erfahrungen wirklich zu verarbeiten - wir stolpern von einer Episode zur nächsten; Ferien und andere besondere Ereignisse sind im Nu vorbei. Aber wie viele Details haben wir einen Monat, ja schon eine Woche später, wieder vergessen?

Ein Tagebuch zu führen, das haben vermutlich die meisten von Euch schon ein oder zwei Mal ausprobiert. Viele Menschen beginnen in jungen Jahren damit und behalten diese Gewohnheit ihr Leben lang bei, bei anderen erlischt das Interesse sehr schnell, womöglich schon nach weniger als einer Woche.

Warum sollte man sich neben allen anderen täglichen Pflichten nun auch die Zeit nehmen, Tagebuch zu schreiben? Nun, einige Vorteile will ich im Folgenden nennen.
1. Wer ein Tagebuch führt, schafft eine permanente Erinnerung an besondere Ereignisse: wann man diese bestimmte Geschäftsidee hatte, wann das Kind den ersten Zahn verloren hat, wieviel dieser antike Stuhl gekostet hat. Wenn Ihr mit dem Schreiben anfangt, könnt Ihr Euch vielleicht gar nicht vorstellen, wie nützlich diese Einträge später sein können.  
2. Das Schreiben ermöglicht es uns, Ereignisse und Gefühle zu reflektieren, und unser Gehirn erhält die Gelegenheit, das Erlebte wirklich zu verarbeiten - eine Chance, die es sonst selten hat. Ohne diese Möglichkeit ist es schwierig, wirklich zu erkennen, was in unserem Leben geschieht und was es bedeutet.
3. Mit der Zeit lassen sich so auch die Fortschritte beobachten in Hinblick auf ein Ziel oder andere langfristige Veränderungen in unserem Leben. Wer etwa an seiner persönlichen Entwicklung arbeitet, kann seine Fortschritte und die Reaktionen festhalten und später im Rückblick die langfristigen Veränderungen erkennen.
4. Die Qualität der Handschrift und/oder die Schnelligkeit des Schreibens wird sich verbessern, wenn man Papier und Stift verwendet; benutzt man einen PC, trainiert man seinen Umgang mit der Tastatur. 
5. Schreiben kann uns helfen, die Probleme in unserem Leben zu lösen. Der Akt des Schreibens ist langsamer als der Akt des Denkens, also muss man das Tempo verringern und sich den Dingen behutsam nähern. Gelegenheiten und Ideen, die sonst vielleicht ungenutzt blieben, können sich entfalten.
Beim Tagebuchschreiben geht es nicht um Regeln; absolut jedes Thema ist erlaubt. Man kann über das schreiben, was man an einem bestimmten Tag oder in einer Woche erlebt hat, und über seine Reaktionen darauf. Man kann das Schreiben nutzen, um anstehende Entscheidungen zu reflektieren; man kann Dampf ablassen über etwas, das einen ärgert oder Ideen und Gedanken zur Erreichung persönlicher Ziele notieren. Schreib' über Pläne, Träume, Ängste oder Hühnerleber! Was immer Du willst.

Wenn ich Tagebuch schreibe, neige ich dazu, grammatikalisch "richtig" und in Absätzen zu schreiben, weil mir das hilft, meine Gedanken zu ordnen. Aber wenn Du die Syntax beiseite und Deinen Gedanken freien Lauf lassen willst, ist das auch okay. Die einzige echte Regel ist: schreib' über das, was wichtig für Dich ist.

Manche Menschen finden es schwierig, mit einem Tagebuch zu beginnen, und tatsächlich gibt es ein gewisses Mass an Befangenheit, die man überwinden muss. Der beste Rat ist wohl, sich selbst zu überlisten: Beschliesse, dass Du nicht wirklich über Dich schreiben wirst, sondern einfach ein paar zufällige Gedanken und Ideen zu Papier bringen - sei es, um Deine Handschrift zu verbessern, einen neuen Stift auszuprobieren, eine Tastatur oder ein Schreibprogramm.

Behalte dieses "zufällige" Schreiben für ein paar Tage bei - und ehe Du Dich versiehst, wirst über das zu schreiben, was Dir oder um Dich herum passiert und wie Du Dich dabei fühlst. Und schon bist Du mittendrin!

Hausaufgabe

Wenn Du bisher noch kein Tagebuch führst, finde einen gemütlichen Platz, wo Du ungestört bist, und fang an. Notiere das Datum und dann schreibe über alles, was Dir in den Sinn kommt - es muss nicht über Dich selbst sein. Schreibe so lange, bis Du das Gefühl hast, das es reicht. Dann höre auf. Wenn Du magst, mach dies mehr als einmal.

Wenn Du bereits ein Tagebuch führst, dann schreibe an einem Tag dieser Woche darüber, wie und warum Du mit dem Schreiben angefangen hast. Über das, was Du Dir vom Schreiben erhofft hast und in wieweit Deine Erwartungen sich erfüllt haben. Denke nach und schreibe über die unerwarteten Freuden, die das Schreiben Dir beschert hat, und den Nutzen, den Du daraus ziehst.

Dies war die erste Lektion der Journalling School. In der nächsten Lektion geht es darum, das Schreiben zu einer Gewohnheit werden zu lassen.

Feedback, Gedanken und Ideen sind willkommen. Bitte teilt Eure Erfahrungen in den Kommentaren.

(Autor: Ray Blake, den englischen Originaltext findet Ihr hier.)


Es wäre nicht fair, wenn ich Ray die ganze Arbeit machen liesse, oder? Deshalb werde ich zu jeder Lektion auch ein paar eigene Gedanken beisteuern.

Iris sagt...

An mein erstes Tagebuch kann ich mich noch gut erinnern: rotes Kunstleder, mit einem kleinen Schloss - das war 1979, ein Geschenk der Nachbarin zur Erstkommunion. Ich habe brav (angeleitet von meiner Mutter) ein oder zwei kleine Texte in Schönschrift hieneingeschrieben, im Stil eines Schulaufsatzes ("Mein schönstes Ferienerlebnis").

Richtig angefangen habe ich dann als Teenager - habe über all die kleinen Kümmernisse und unerwiderten Schwärmereien geschrieben, die das Leben so mit sich bringt. Etwa mit 16 oder 17 Jahren ist es mir so zur Gewohnheit geworden, dass Tagebuchschreiben für mich eine Selbstverständlichkeit geworden ist: wenn ich einen Tag lang nicht zuum Schreiben komme, fühle ich mich geradezu körperlich unwohl. 

Ich notiere all das, was Tag für Tag passiert, auch die ganz banalen Dinge. Schreiben hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und meine Gefühle zu verarbeiten, Entscheidungen zu treffen. Was Ray über die Vorzüge des Tagebuchschreibens sagt, kann ich daher nur unterstreichen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen