Filomaniac

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20. August 2012

Journalling School (5)

Wie Ihr wisst, arbeite ich mit Ray Blake zusammen am Projekt Journalling School, der Schule des Tagebuchschreibens: Die (englischen) Originalartikel findet Ihr auf Rays Blog, von mir bekommt Ihr jeweils die deutsche Übersetzung, mit ein paar Anmerkungen oder Gedanken.

Rays Artikel erscheinen immer montags hier und - im englischen Original - auf My Life All in One Place.


Journalling School, Lektion 5: Rollenspiel

Willkommen zur fünften Lektion der Journalling School. Dies ist eher eine Lektion für Fortgeschrittene, nichts für Jedermann. Es geht darum, eine Zeitlang jemand anders zu sein.

Die Idee ist inspiriert von einem Gespräch in Arnold Schwarzeneggers Film Total Recall* (basierend auf einer viel besseren Kurzgeschichte von Phillip K. Dick, We Can Remember It For You Wholesale, deutsch: Erinnerungen en gros). Im Film besucht der Held, Douglas Quaid, das Hauptquartier der Firma Rekall Inc. Rekall bietet seinen Kunden den Service, ihnen künstliche Erinnerungen an einen Urlaub zu implantieren. Statt die Kosten und Unannehmlichkeiten einer echten Reise auf sich zu nehmen, erinnert man sich einfach an das Erlebnis.

Doug trifft dort auf Bob McClane und erklärt ihm, dass er die Erinnerung an einen Trip zum Mars implantiert haben möchte. Bob stellt ihm ein neues, optionales Extra vor:
Bob McClane: Was war bis jetzt bei jeder Reise, die Sie je unternommen haben, dasselbe?
Douglas Quaid: Ich gebe auf.
Bob McClane: Sie! Sie sind derselbe! Wo auch immer Sie hingehen, da sind Sie. Immer das gleiche alte Selbst. Lassen Sie mich vorschlagen, dass Sie einen Urlaub von sich selbst machen. Ich weiß, das klingt verrückt. Es ist der letzte Schrei in Sachen Reisen. Wir nennen es Ego Trip.
Doug entscheidet sich dafür, im Urlaub ein Geheimagent zu sein, und der Film wird ziemlich schräg. Aber der Punkt ist: Du kannst einen ähnlichen Trick anwenden beim Tagebuchschreiben. Du kannst als Geheimagent schreiben, als Alien auf Besuch, als TV-Reporter... oder was immer Deine Vorstellungskraft vermag.

Beim Schreiben kannst Du Dir überlegen, was diese fiktive Person notieren oder interessant finden würde, und das niederschreiben. Eine der effektivsten Rollen ist die eines Kindes, vielleicht Deines eigenen jüngeren Selbst, das noch nicht viel von dem versteht, was Dir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Du wunderst Dich über all diese Dinge, die Dir sonst selbstverständlich erscheinen und stellst sie infrage, und das kann einige großartige Einsichten hervorbringen.

Stell Dir selbst die Aufgabe, einige Tage in Gestalt dieser fiktiven Person Tagebuch zu führen, vielleicht für eine Woche, und einfach abzuwarten, was dabei herauskommt. Ohne Zweifel wirst Du über Dinge schreiben, die normalerweise nie den Weg in Dein Tagebuch gefunden hätten, und am Ende Deines Ego Trips kannst du diese Übung auswerten und entscheiden, was davon Du in Dein normales Schreiben aufnehmen willst.

Hausaufgaben

Mache in Deinem Tagebuch einen Ego Trip. Sei für ein paar Tage jemand anders. Schreibe über die Dinge, über die Du sonst auch schreiben würdest, aber aus einer anderen Perspektive. Konzentriere Dich auf das, worauf sich diese Person konzentrieren würde und schreibe entsprechend. Lies anschliessend Deine Einträge durch. Welche dieser Elemente würdest Du gerne in Dein reguläres Schreiben übernehmen?

Wenn Dir das zu verrückt erscheint, dann dreh die Situation um. Sei Du selbst und schreibe über einen erfundenen Tag, der nicht wirklich stattgefunden hat. Stell Dir ein dramatisches Ereignis vor. Wenn Du möchtest, lass berühmte Persönlichkeiten auftreten, die Du nicht kennst. Schreibe so, als wäre dies ein normaler Tag. Lies Dir danach noch einmal durch, was Du geschrieben hast und denk darüber nach, was an diesem Eintrag anders ist als an Deinem normalen Schreiben. Kannst Du etwas davon in Dein tägliches Schreiben übernehmen?


Dies war die fünfte Lektion der Journalling School. In der nächsten Lektion geht es um persönliche Ziele und darum, wie das Schreiben einem helfen kann, sie zu erreichen.

Feedback, Gedanken und Ideen sind stets willkommen. Bitte teilt Eure Erfahrungen in den Kommentaren.

(Autor: Ray Blake, den Originaltext findet Ihr hier.)
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* Da ich den Film noch nie gesehen habe, kann ich den Dialog nur wörtlich übersetzen. Falls jemand von Euch den Wortlaut der deutschen Synchronfassung kennt, kann er sich gerne melden!


Iris sagt...
Der Ego Trip ist zweifellos eine originelle Idee und ein großer Spass, aber nichts für mich. 

Was ich allerdings hochinteressant finde, ist die Idee, die dem Rekall-Konzept zugrunde liegt: dass die Erinnerungen an ein Erlebnis wünschenswerter und wertvoller sind als das Erlebnis selbst.

Indem wir Tagebuch schreiben, tun wir genau das: Erinnerungen festhalten, um sie jederzeit wiederlesen (und -erleben) zu können. Oder, um es mit den Worten von Jean Paul zu sagen:
"Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht getrieben werden können."

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