Filomaniac

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24. September 2012

Journalling School (10)

Wie Ihr wisst, arbeite ich mit Ray Blake zusammen am Projekt Journalling School, der Schule des Tagebuchschreibens: Die (englischen) Originalartikel findet Ihr auf Rays Blog, von mir bekommt Ihr jeweils die deutsche Übersetzung, mit ein paar Anmerkungen oder Gedanken.

Rays Artikel erscheinen immer montags hier und - im englischen Original - auf My Life All in One Place.


Journalling School, Lektion 10: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Willkommen zur zehnten Lektion der Journalling School. In der heutigen Lektion schauen wir uns die Effekte der Zeitformen an - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - und wie man diese beim Tagebuchschreiben reflektiert.

Im Allgemeinen schreiben wir in unser Tagebuch über den Tag, den wir gerade erleben. Obwohl wir vielleicht in der Vergangenheitsform schreiben ("Ich habe Susan besucht"), beschäftigen wir uns mit dem heutigen Tag. Aber das ist ein Brauch, kein Gesetz. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht über die ferne Vergangenheit schreiben könnten, oder über die Zukunft.

In früheren Lektionen der Journalling School habe ich euch ermutigt, sowohl zurück als auch nach vorne zu schauen beim Schreiben - zurück, wenn man nach einer Pause das Schreiben wieder aufnimmt, und  nach vorne, wenn es um das Formulieren von Zielen geht.

Heute gehen wir einen Schritt weiter und schreiben einige Zeit-Geschichten (time narratives), um eine Veränderung zu bewirken. Eine Zeit-Geschichte ist eine richtige Geschichte, aber die meisten Geschichten beginnen und enden in der Vergangenheit. Dies sind Geschichten, die in von der Vergangenheit bis in die Zukunft reichen. Der entscheidende Unterschied ist, dass das Ende noch offen ist.

Hier ist eine einfache Zeit-Geschichte:
In der Vergangenheit habe ich Geld verschwendet, ohne nachzudenken. Jetzt fange ich an, meine Ausgaben zu notieren und zu reflektieren, und zu sparen, wo immer ich kann.In Zukunft werde ich Ersparnisse haben und finanziell abgesichert sein.

Beachte, dass diese Erzählung eine Veränderung beschreibt. Die Vergangenheit und die Zukunft unterscheiden sich stark, und diese Unterscheidung ist in der Gegenwart verankert. Die Aktion, die ich jetzt beginne, ist der Katalysator für diese Veränderung.

Hier ist ein anderes Beispiel:
In der Vergangenheit habe ich zugelassen, dass meine Freunde mich ausnutzen.
Jetzt entscheide ich, für mich selbst einzutreten, mein Durchsetzungsvermögen einzusetzen und gelegentlich Nein sagen.
In Zukunft werden meine Beziehungen ausgeglichener sein und meine Freunde werden auch einmal etwas für mich tun.
Ich nenne diese Beispiele outline time narratives (etwa: "Zeit-Geschichts-Skizze"), weil sie eine Story zusammenfassen, ohne ins Detail zu gehen. Wenn Du Deine "Skizze" formuliert hast, musst Du zurückgehen und jede dieser drei Episoden - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - näher beschreiben und ein klareres, detaillierteres Bild zeichnen. Du kannst das über mehrere Tage verteilen oder entscheiden, einen langen Eintrag an einem Tag zu machen.

Für das Bild der Vergangenheit beschreibst Du, wie die Dinge gewesen sind. Gib einige Beispiele und beschreibe, wie Du Dich dabei gefühlt hast. Schreibe auf, warum Du etwas ändern möchtest.

Für die Gegenwart: notiere, welche Aktionen Du unternimmst oder zu unternehmen beschließt. Halte dies im Präsens ("Ich sage Nein." anstatt "Ich werde Nein sagen."). Wenn Du nicht sicher bist, welche Aktionen nötig sind, kannst du die Problemlösungstechniken anwenden, mit denen wir uns in Lektion 7 beschäftigt haben. Du kannst auch mit Leuten darüber reden, lesen oder in anderer Weise recherchieren.

Was die Zukunft betrifft: male Dir detailliert aus, wie die Dinge sein werden. Stelle Dir einige Beispielsituationen vor für die neuen Fähigkeiten oder Vorgehensweisen, und beschreibe, wie Du handeln und Dich dabei fühlen wirst. Nimm Dir hierfür mehr Zeit, als Du für notwendig hältst. Die Zeit und Genauigkeit, die Du hier investierst, sind der Schlüssel zu einer effektiven und langfristigen Veränderung. Dein Unterbewusstsein wird jedes Wort absorbieren und Dein unsichtbarer Verbündeter werden, der Dir hilft, die Veränderung herbeizuführen.


Zeitsprung
Hier ist eine interessante Schreibübung, die Du von Zeit zu Zeit ausprobieren kannst. Reise in Gedanken einen Tag in die Zukunft, wo Du die Ereignisse des Tages und Deine Gefühle niederschreibst. Nun schreibe heute auf, was Du Dir vorstellst, morgen zu schreiben.

Und wenn Du morgen schreibst, lies noch einmal nach, was Du heute geschrieben hast, und überlege, wie nah Dein antizipierter Eintrag den tatsächlichen Erlebnissen kommt. Was hast Du perfekt vorhergesehen, zum Beispiel, und was hattest du überhaupt nicht erwartet?

Wenn Du das ein paar Mal gemacht hast, suche nach Mustern. Wirst Du immer wieder überrrascht von ähnlichen Faktoren? Hast Du blinde Flecken? Inwieweit werden Deine Erfahrungen beinflusst durch Deine Erwartungen?

Ein anderer Ansatz wäre, den Eintrag für morgen zu schreiben nicht aufgrund dessen, was Du erwartest, sondern was Du Dir erhoffst.

Was Du mit dieser Übung erreichst, ist wiederum, Dein Unterbewusstsein für Dich arbeiten zu lassen. Es wird versuchen, einen Weg zu finden, um die positiven Erwartungen, die Du hast, wahr werden zu lassen - und das bedeutet, dass Dein Tag eine größere Chance hat, erfolgreich zu werden.


Hausaufgaben

Wenn es eine Veränderung gibt, von der Du glaubst, dass Du sie dringend vornehmen solltest, dann schreibe Deine eigene Zeit-Geschichte, um Deinen Weg zu beschreiben von der Vergangenheit durch die Gegenwart zur Zukunft. Beginne mit einer Skizze ähnlich wie oben beschrieben. Dann schau Dir die drei Pasen detaillierter an. Ich schlage vor, dass Du Dich an einem Tag mit der Vergangenheit beschäftigst, und an den folgenden mit Gegenwart und Zukunft. Was die Gegenwart betrifft, lege Pausen ein für Gespräche oder Recherchen, die nötig sind.

Wenn es momentan keine konkrete Veränderung gibt, die Du vornehmen möchtest, dann schreibe heute den Eintrag für morgen in Dein Tagebuch. Schreibe so, als sei das ,was Du Dir erhoffst, bereits geschehen. Auch hier gilt: mach jedes Detail so lebhaft und anschaulich wie möglich, und bring Dein Unterbewusstsein dazu, es wahr werden zu lassen.


Dies war die zehnte Lektion der Journalling School. In der nächsten Lektion beschäftigen wir uns damit, wie hilfreich es ist, im Tagebuch zurückzublättern.

Feedback, Gedanken und Ideen sind stets willkommen. Bitte teilt Eure Erfahrungen in den Kommentaren.


(Autor: Ray Blake, den Originaltext findet Ihr hier.)

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