Filomaniac

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17. September 2012

Journalling School (9)

Wie Ihr wisst, arbeite ich mit Ray Blake zusammen am Projekt Journalling School, der Schule des Tagebuchschreibens: Die (englischen) Originalartikel findet Ihr auf Rays Blog, von mir bekommt Ihr jeweils die deutsche Übersetzung, mit ein paar Anmerkungen oder Gedanken.

Rays Artikel erscheinen immer montags hier und - im englischen Original - auf My Life All in One Place.

Journalling School, Lektion 9: FAQ - Häufig gestellte Fragen 

Willkommen  zur neunten Lektion der Journalling School. Heute behandeln wir einige Fragen, die bis jetzt aufgekommen sind und die häufig in Zusammenhang mit dem Tagebuchschreiben gestellt werden.

Also, lasst uns einen Blick werfen auf einige Fragen, die gestellt wurden. Ich teile Euch meine Sicht der Dinge mit, aber hier ist Raum für Diskussion, und gerne dürft Ihr in den Kommentaren Eure Meinung dazu sagen.

Welche Art von Notizbuch soll ich als Tagebuch verwenden?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort, und es bedarf vermutlich einiges Herumprobierens, bis Du das findest, das für Dich richtig ist. Hier sind einige Merkmale eines Journals, das ich jemandem empfehlen würde, der mit dem Tagebuchschreibens beginnt: 

 1. Gebunden. 
Ich empfehle, lieber ein gebundenes Buch als ein Loseblatt-System zu verwenden, hauptsächlich aus psychologischen Erwägungen. Wenn Du auf lose Blätter schreibst, wirst Du Dir weniger Mühe geben, was und wie Du schreibst, weil die Seite ja jederzeit weggeworfen werden kann. In einem gebundenen Notizbuch wirst Du dagegen mit den Fehlern und Fehlurteilen leben müssen, d. h., Du wirst Dir mehr Mühe geben, keine zu machen. Spiralbindung ist eine Art Kompromiss, aber ich bevorzuge ein fest gebundenes Buch.

2. Klein, aber nicht zu klein.
Dein Tagebuch sollte gut mitzunehmen sein. Das heißt nicht, dass Du es überall hin mitnehmen mußt, aber wenn Du auf Reisen gehst, wirst Du es mitnehmen wollen. Sogar, wenn Du nur für einen Tag unterwegs bist, und weißt, dass Du etwas Zeit haben wirst, solltest Du Dein Journal mitnehmen und unterwegs schreiben. Ich  stelle immer fest, dsass der Stil meines Schreibens sich mit dem Ort ändert, und ich mag diese Abwechslung. Dein Tagebuch sollte so klein sein, dass es in eine Deiner Taschen passt. Ich finde, alles, das kleiner ist als A5, macht eine ordentliche Grammatik und Struktur schwieriger.

3. Undatiert. 
Ich rate sehr dazu, kein datiertes Tagebuch zu verwenden. Du wirst vielleicht nicht jeden Tag schreiben, und die leeren Seiten werden Dich verspotten. Es ist besser, nach einer  Pause wieder anzufangen ohne eine Lücke im Buch. Datierte Seiten beschränken ausserdem den Platz für jeden Tag; wohingegen ich glaube, Du solltest in keiner Weise eingeschränkt sein, sondern so viel oder so wenig schreiben können, wie Du willst oder musst.

4. Preiswert
Wenn Dir das Schreiben zur Gewohnheit geworden ist, wirst Du Dich vielleicht entscheiden, gutes Geld für ein teures Tagebuch auszugeben. Das ist prima. Aber wenn Du anfängst, könnte das ein Problem sein: wenn Du Bedenken hast, die teuren Seiten zu besudeln, wirst Du am Ende womöglich gar nicht schreiben. Ich nenne das "Tagebuch-Lampenfieber". Vermeide es, indem Du ein preiswertes Notizbuch kaufst, zumindest für den Anfang.
Das Tagebuch meiner Wahl ist Black n Red A5.


Kann ich ein elektronisches Tagebuch führen?

Natürlich kannst Du. Persönlich finde ich es schwieriger als das Schreiben von Hand. Ich kann nicht so schnell schreiben, wie ich tippen kann, daher sind meine Gedanken ausformulierter, wenn ich sie von Hand schreibe. Ich kann jederzeit mein Buch öffnen und sofort anfangen zu schreiben, wohingegen es nicht immer und überall möglich ist, ein Laptop oder Pad hervorzuholen. Außerdem mag ich es, zu sehen, wie sich das Buch allmählich füllt.
Vor und zurück zu blättern und alte Durchstreichungen zu sehen - und mich zu erinnern, warum ich etwas durchgestrichen habe - ist ebenfalls nützlich.

Wieviel soll ich schreiben?

Soviel wie Du magst oder das Bedürfnis hast zu schreiben. Du schreibst nicht als Strafarbeit, sondern eher als Investition. Du investierst Zeit und Mühe, um Dich selbst und die Welt etwas besser zu verstehen, Deinen Zielen näher zu kommen, Probleme zu lösen, und einen Schatz von unvorstellbarem Wert für die Zukunft zu schaffen.

An manchen Tagen wirst Du schreiben wollen, bis Deine Hand wehtut, An anderen Tagen schreibst Du nur einen Absatz, oder gar nicht. Alles ist gut. Es gibt kein Mindestzahl an Worten und keine Deadline.

Worüber soll ich schreiben?

Ich hoffe, dass Du mittlerweile schon einige Ideen hast, worüber Du schreiben kannst, aber es lohnt sich, über Tendenzen nachzudenekn, die Du in Deinem Schreiben entdeckst, und welche Richtung Du langfristig einschlagen möchtest. Es ist zum Besipsiel leicht, in einen Trott zu geraten, jeden Tag nur die Ereignisse zu noterien, ohne sie zu kommentieren oder zu reflektieren. Das andere Extrem wäre, nur Deinen Frust rauszulassen.

Ich denke, auf lange Sicht muss jeder die Balance finden zwischen einem externen Focus (was ist jheute passiert?) und einem internen (wie fühle ich mich?). Es mag Zeiten in Deinem Leben geben, wenn diese Balance sich ändern muß. So ist es in stressigen Zeiten wichtig, dass Du Deinen Gefühlen Luft machst, denn das ist notwendig, um damit umzugehen und sich zu erholen.

Über die Tagesereignisse und Deine Reaktionen hinaus gibt es eine Fülle von Dingen, über die Du schreiben kannst; das hat diese Serie hoffentlich gezeigt. Zum Beispiel: was sind Deine Ziele, und was tust Du , um sie zu erreichen? Was passiert gerade in der Welt, und wie ist Deine Ansicht dazu? Was würdest Du tun, wenn Du im Lotto gewinnst oder auf einer einsamen Insel strandest? Wenn Du eine Dinnerparty geben würdest, und jeden einladen könntest, wenn hättest Du gerne als Gast und warum?

Kurz gesagt, schreibe über das, was Dir im Moment in den Sinn kommt, aber nimm Dir auch etwas Zeit, Dir zu überlegen, worüber Du in Zukunft schreiben möchtest. Führe eine Liste von Dingen, über die Du schreiben möchtest, wenn Du Zeit für einen längeren Eintrag hast.

Wie vorsichtig muss ich sein für den Fall, dass andere Leute es lesen?

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt beim Tagebuchschreiben manchen Nutzen, den Du nur hast, wenn Du total ehrlich bist und frei, alles niederzuschreiben, was Du fühlst. Manche Menschen können das, ich gehöre nicht dazu. Ich habe einen inneren Zensor, der fordert, dass ich so ehrlich bin, wie es geht, aber mit Einschränkungen, was empfindliche Personen oder heikle Situationen betrifft. Das bedeutet, das ich manchmal nicht alle meine Gefühle zu Papier bringe.

Schwer zu sagen, warum; mein Tagebuch ist nicht zur Veröffentlichung gedacht, oder dafzu, von irgendjemandem außer mir gelesen zu werden. Nicht einmal meine Frau liest es, obwohl sie mich oft und ausführlich darin schreiben sieht. Aber irgendwie würde mich nicht gerne unbehaglich fühlen, wenn sie (oder jemand anderes, der mir nahesteht) darum bitten würde, es lesen zu dürfen.

Dies ist eine Frage, die Du Dir selbst beantworten musst. Macht es Dir etwas aus, Nein zu sagen, wenn jemand darum bittet, Dein Tagebuch lesen zu dürfen? Besteht die Gefahr, dass es jemand ohne Deine Erlaubnis liest? Kümmert es Dich überhaupt, was andere Leute denken?

Hausaufgaben 

Diese Woche gibt es keine Hausaufgaben - außer, Dir zu überlegen, ob Du noch Fragen hast, die hier nicht beantwortet wurden. Falls ja, stelle sie in den Kommentaren.


Dies war die neunte Lektion der Journalling School. In der nächsten Lektion geht es um die verschiedenen Zeiten - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - und wie man sie im Tagebuch behandelt.

Feedback, Gedanken und Ideen sind stets willkommen. Bitte teilt Eure Erfahrungen in den Kommentaren.

(Autor: Ray Blake, den Originaltext findet Ihr hier.)


Iris sagt...

Ich schreibe zwar seit mehr als 25 Jahren Tagebuch, kaufe aber nach wie vor nur preiswerte Notizbücher - bei dem Verbrauch, den ich habe, bin ich einfach nicht bereit, viel Geld für ein ledergebundenes Buch - oder eine bestimmte Marke - auszugeben. Außerdem lassen sich preiswerte Bücher ja nach Wunsch mit Stickern oder Bildern bekleben, um sie aufzuhübschen. Ich bevorzuge undatierte Bücher (A6 bzw. A5) und nehme das Tagebuch nur auf Reisen mit, habe es aber nicht ständig bei mir.

Elektronische Tagebücher haben mich nie gereizt. Es gibt tolle Apps, z. B. Raconteur, das ich verwende, um ein bis zwei Sätze pro Tage zu notieren - ich nutze es seit Dezember 2009, und es gefällt mir, an jedem beliebigen Tag die Einträge der vergangenen Jahre zu sehen. Aber "richtig" Tagebuch schreiben kann ich nur auf Papier!

Was das Lesen angeht - mein Tagebuch liegt immer irgendwo in Reichweite, aber mein Mann würde nie darin lesen. Ich schnüffele ja andererseits auch nicht in seinem Handy herum. Wenn man seinem Partner in dieser Sache nicht vertrauen kann, dann hat man meiner Meinung nach ein Problem. Er würde mich auch nicht bitten, es lesen zu dürfen - vermutlich, weil er (nicht zu Unrecht) denkt, dass es darin ohnehin wieder nur um Handtaschen und Filos geht... 

1 Kommentar:

  1. Sehr schöner Bericht.

    Als ich 1999 anfing war ich 13 Jahre alt und habe Notiz- oder Tagebücher mit Schloss von Diddl genutzt. Als mir das mit ca 16-17 zu kitschig wurde, bin ich auf Paperblanks umgestiegen. Die sehen erwachsen aus, gibts mit diversen Motiven/Gestaltungen und kosten knapp 20 EUR was für mich in Ordnung ist. Das Datum schreibe ich selbst hin. Wichtig sind für mich Linien, da ich partout nicht gerade schreiben kann und das sieht richtig fies aus.

    Für das kommende Jahr werde ich ein Personal Organizer von Filofax nutzen mit dem Kalendarium 2 Tage auf einer Seite. Es ist ein Testlauf - ich kann ja jederzeit wieder ein Paperblanks kaufen. *g*

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