Filomaniac

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1. Oktober 2012

Journalling School (11)

Wie Ihr wisst, arbeite ich mit Ray Blake zusammen am Projekt Journalling School, der Schule des Tagebuchschreibens: Die (englischen) Originalartikel findet Ihr auf Rays Blog, von mir bekommt Ihr jeweils die deutsche Übersetzung, mit ein paar Anmerkungen oder Gedanken.

Rays Artikel erscheinen immer montags hier und - im englischen Original - auf My Life All in One Place.

Journalling School , Lektion 11: Zurückblicken

Willkommen zur elften Lektion der Journalling School. In der heutigen Stunde geht es um das Konzept des Zurückblickens auf ältere Tagebucheinträge, und wie es unser heutiges Schreiben beeinflussen kann.

Ich nehme oft die Gelegenheit wahr, in meinen alten Tagebüchern zu blättern. Ich finde es faszinierend, meine Worte von vor, sagen wir, fünf Jahren zu lesen. Einen bestimmten Satz zu sehen, oder sogar den Schnörkel am Ende eines Wortes, kann eine Art Proustscher Träumerei hervorrufen, die mich in die Zeit des Eintrages zurückversetzt.* Plötzlich sind vergessene Szenen und Gedanken wieder da, und für einen Moment sehe ich die Vergangenheit so lebhaft vor mir wie den heutigen Tag.

Zu anderen Zeiten schaue ich mir Einträge an, die erst kurz zurückliegen. Bevor ich die letzte Seite eines Tagebuchs vollschreibe, gehe ich zurück zum Anfang, und lese den ersten Eintrag, den ich zwei oder drei Monate vorher gemacht habe. Manchmal löst das einige Gedanken aus über die Ereignisse des Zeitraumes, den das Tagebuch abdeckt. Hin und wieder entdecke ich, dass in meinem Leben eine bedeutende Veränderung stattgefunden hat, die nur in der Rückschau wahrnehmbar ist, und die ich ohne mein Tagebuch nicht bemerkt hätte.

Deshalb ermutige ich Dich, öfters zurückzuschauen, und über das zu schreiben, was Du dabei entdeckst. Hier sind einge Aspekte, über die Du schreiben könntest:

  • Was weiß ich jetzt, das ich damals noch nicht wußte?
  • Woran erinnere ich mich noch aus diesem Zeitraum?
  • Wie haben sich die Dinge für mich seitdem verändert?
  • Worüber habe ich nicht geschrieben und hätte es tun sollen?

Mehr als alles andere, kann Dir das Zurückblicken sagen, was Du bisher erreicht hast und Dir einen Hinweis darauf geben, wie weit Du noch kommen wirst. Ich empfehle es daher sehr.



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Hausaufgaben

Wähle einen früheren Eintrag aus - vielleicht den allerersten, den Du gemacht hast, oder einen aus einer wichtigen oder schwierigen Zeit. Lies Deinen Eintrag und denke über die oben genannten Fragen nach. Schreibe auch über die Erfahrung des Zurückblickens, und über die Gedanken und Gefühle, die es ausgelöst hat.



Dies war die elfte Lektion der Journalling School. Die nächste Lektion wird eine Abschlusslektion, in der die vorherigen Lektionen noch einmal rekapituliert werden. Danach macht die Journalling School eine Pause, aber es wird eine Ferienhausaufgabe geben.

Feedback, Gedanken und Ideen sind stets willkommen. Bitte teilt Eure Erfahrungen in den Kommentaren.


(Autor: Ray Blake, den Originaltext findet Ihr hier.)

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*Ray bezieht sich auf Marcel Prousts Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit:
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist ein Roman der Erinnerung. Dabei unterscheidet der Autor zwischen freiwilliger Erinnerung, die immer unvollständig und oft beängstigend ist, und unfreiwilliger Erinnerung. Berühmtestes Beispiel ist dabei die Madeleine (ein kleiner Kuchen), die dem Erwachsenen der Hauptperson von seiner Mutter serviert wird und deren Geschmack ihm die Fülle seiner Kindheitserlebnisse mit allen Bildern, Klängen, Geschmäckern und Gerüchen wieder vergegenwärtigt. Die unfreiwillige Erinnerung ist dabei kein psychisches Erlebnis (so plausibel dies auch erscheint), sondern ein literarischer Kniff, der es dem Erzähler erlaubt, Assoziationsketten zu beginnen." (Wikipedia)
Die Madeleine-Episode könnt Ihr hier nachlesen.




Iris sagt

Ich lese öfter in meinen alten Tagebüchern, und wenn ich eines vollgeschrieben habe (was eher zwei bis drei Wochen als Monate dauert), gehe ich immer noch einmal zum ersten Eintrag zurück.

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