Filomaniac

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18. August 2016

Das "mystische Buch"

Was sagt Euch der Name Lauren Graham? Ja, ganz genau - sie war die Lorelai in Gilmore Girls

Was Ihr vielleicht nicht wisst, ist, dass sie auch ein Buch geschrieben hat: 


Someday, Someday, Maybe (die deutsche Übersetzung ist 2015 bei Fischer erschienen) ist das, was man gemeinhin - und etwas despektierlich - als Chick lit bezeichnet: Ihr wisst schon, diese meist eher seichten Unterhaltungsromane für "freche Frauen", in denen es irgendwie immer um Schokolade, Shopping und die Suche nach "Mr. Right" geht. Und wenn die Heldin ihm dann gegenübersteht, schüttet sie sich vor Aufregung den Kaffee über die Bluse, und ihre Haare sehen furchtbar aus! (Bridget Jones lässt grüßen.)

Warum ich Euch das erzähle? Der Roman von Lauren Graham ist nun auch nicht gerade nobelpreisverdächtig - es geht um Frances Banks, die sich in New York als Kellnerin durchschlägt, während sie auf ihren Durchbruch als Schauspielerin wartet.

Das Besondere: Frances hat "einen Filofax aus braunem Leder" (S. 30; alle Seitenangaben beziehen sich auf die deutsche Ausgabe), den ihr ihr Vater geschenkt hat, als sie nach New York gezogen ist: "[...] einen vollgekritzelten Kalender [...], in dem ich nachlesen kann, was ich wann gegessen und welche Filme ich gesehen habe." (S. 384)

Der Roman spielt 1995, den Filofax allerdings hat sie schon eine Weile: "Die Nähte an den Ecken beginnen sich zu lösen." (S. 384) Als Filomaniac fragt man sich da doch unwillkürlich, welches Modell das wohl gewesen sein mag. (Es kommen einige in Frage.) Leider erfahren wir es nicht - das Buch ist 2013 erscheinen, und man darf wohl annehmen, dass die Autorin sich über solche Finessen keine großen Gedanken gemacht hat - oder dachte, dass ihre Leserinnen es nicht tun.

Auf jeden Fall ist der Filofax nützlich, als Frances auf der Straße ihren Schwarm trifft - und er sie tatsächlich nach ihrer Nummer fragt: "Ich reiße ein Stück Papier aus dem Filofax und notiere die Nummer." (S. 65)


Das Beste aber ist, das einzelne Seiten aus Frances' Filofax als Faksimile im Buch abgedruckt sind:






Eine hübsche Idee, nicht wahr? Über das Buch verteilt gibt es 13 solcher "Filofax"-Doppelseiten, in der Handlung wird der Filofax achtmal (kurz) erwähnt.

Meine Lieblingstelle ist allerdings diese (S. 389f.): Frances und ihr Mitbewohner Dan reden über die Erzählung Franny von J. D. Salinger (nach der Frances benannt ist). Die Heldin der Geschichte besitzt ein "mystisches Buch", das sie immer bei sich trägt, "um sich an ihr Ziel zu erinnern". Dan deutet auf Frances' Filofax und sagt: "Du hast auch so ein Buch."  Frances ist skeptisch, doch Dan erklärt ihr: "[...] das Buch beweist, dass du die Seiten gefüllt hast. [...] Du brauchst nicht einmal an deinen Erfolg zu glauben. Bleib einfach dran, [...] fülle die Seiten, dann wird etwas geschehen."

Auf der letzten Seite des Buches erfahren wir in einem Interview mit der Autorin, dass sie "in den Neunzigern" selbst einen Filofax besessen hat:

"[...] Das macht man ja seit einiger Zeit nicht mehr. Ich vermisse das [...]. Es war so schön, am Ende des Jahres auf die Seiten zu blicken und zu sehen, welche Wochen voll waren und welche eher nicht, und dann sortierte man die Seiten weg und bekam neue, ganz frische Seiten. Es war alles sehr haptisch, und das ist etwas, was vollkommen verloren geht, wenn man die Termine einfach nur in ein Smartphone eingibt. Also, lasst uns alle unsere Termine wieder in einen Filofax schreiben!"
Dem ist nichts hinzuzufügen.

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